Halbzeit-Bericht von den XV. Leichtathletik-Europameisterschaften der Senioren

Poznan, 19. – 30 Juli 2006

Resultate der Schweizer: siehe separate Auflistung auf www.swiss-masters-athletics.ch

EVACS POZNAN 2006

THE SWISS VIEW – TEIL 1. 19 . - 24. JULI
Aus Poznan: Pino Pilotto [PP]

Schönstes Wetter begleitet die Athletinnen und Athleten der XV. Leichtathletik-Europameisterschaften der Seniorinnen und Senioren (neu: Masters) in der schönen Stadt Poznan in Polen. Die enorme Hitze drückt auf die Leistungen. Trotzdem aber fulminanter Start von „Switzerland“, vor allem dank der Athletinnen. Zuverlässig erringen die „sicheren“ Werte mit hervorragenden Leistungen grosse Erfolge.


Ein Teil der kleinen Schweizergruppe - total sollten es 47 sein, aber einige haben sich schon abgemeldet – weilt bereits seit Montag, 17. Juli in Poznan. Das Hotel Park, wo die meisten Schweizer logieren, ist am idyllischen Maltasee gelegen. Ein See am Stadtrand, mit einer der schönsten Regattastrecken der Welt und zudem ideal für morgendliches Jogging und abendliches Spazieren.
An der Eröffnungszeremonie setzten sich die Schweizer Masters mit ihrem Hals-, Kopf-, Taschen- und Für-Dieses-Oder-Jenes-Zu-Gebrauchen-Schweizertuch geschmückt positiv in Szene. Das Wiedersehen mit den Athletinnen und Athleten der anderen Länder mutierte unverzüglich zum Fachgespräch zur Masters-Leichtathletik und unvermeidlich waren die unzähligen Gespräche über erlittene Verletzungen oder Operationen oder sonstige Unbill, die ein regelmässiges Training verhinderten. Aber alle konnten es kaum erwarten, endlich in die Wettkämpfe einzusteigen.

1.Tag. Donnerstag, 20. Juli 2006: Guter Start
Zehn- und Siebenkampf beherrschen an den beiden ersten Tagen das Stadion. Zugleich werden in der Wurfarena der Gewichtswurf und im Universitätsstadion die 10’000m ausgetragen.
Margaritha Dähler-Stettler, W55, nimmt schon nach wenigen Disziplinen Kurs auf die vorderen Ränge. Das gleiche gilt für Herbert Mattle, M60, derweil Pino Pilotto, M50, versucht, sich nach vorne zu orientieren.
Die brütende Hitze ist besonders für die 10'000 m-Läufer eine schwere Belastung. Tapfer kämpfen sich Walter Eichelberger, M 65, Cäsar Hüsler, M55, und Thomas Manser, M35, über die 25 Bahnrunden. Sie landen schliesslich auf den Plätzen 7, respektive 13, respektive 7.
In der Wurfarena macht im Gewichtswurf Mägy Duss, W45, bereits im ersten Wurf alles klar. Kühl kann sie die vergeblichen Anstrengungen der niederlagegewohnten Gegnerinnen beobachten. Am Ende erringt sie die erste Goldmedaille für die Schweiz. Die Hitze jedoch steigt bei Cornelia Hodel, W40, von innen: Drei Nuller gleich zu Beginn! Dann aber arbeitet sie sich zunächst auf Platz zwei vor, und im letzten Versuch gelingt ihr der Siegeswurf!
Daniela Lachat, W35, wirft eine neue PB und erringt die Broncemedaille.
Nache dem ersten Tag in den Mehrkämpfen liegen Herbert Mattle, M60, auf dem 1., Margaritha Dähler-Stettler, W55, auf dem 2. und Pino Pilotto, M50, auf dem 7. Platz.

Medaillenfazit 1. Tag: 2 x Gold; 1 x Bronce


2.Tag. Freitag, 21. Juli 2006: Gute Fortsetzung
Der zweite Tag ist ausschliesslich dem Mehrkampf gewidmet. Herbert Mattle, M60, startet fulminant über die Hürden, steht im Diskuswurf eine Zitterpartie durch und muss schliesslich wegen riesiger Zeitverzögerungen an die 9 Stunden warten, bis er mit dem Stab springen kann! Als erfahrener Zehnkämpfer lässt er sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen. Mit einer sicheren Sprungleistung hält er seine Gegner auf Distanz, sichert sich mit einer guten Speerleistung den angenehmen Umstand, am Ende eines sorgfältig gelaufenen 1500er die Goldmedaille umgehängt zu erhalten.
Margaritha Dähler-Stettler, W55, wird für ihre soliden Leistungen am Ende mit Silber belohnt.
Pino Pilotto, M50, beendet seinen Zehnkampf auf Platz 7.

Medaillenfazit 2. Tag : 1 x Gold; 1 x Bronce


3. Tag, Samstag, 22. Juli 2006: Es hätte besser gehen dürfen
Der Reigen der verschieden Disziplinen wird von Edi Hänggi, M70, eröffnet. Im 100m-Lauf reicht es ihm für den 12. Platz. Lara Zamboni, W35, beeindruckt über 100m im Halbfinal, muss sich jedoch im Final, nach schlechtem Start, um 2 Hunderstel (schon wieder!) geschlagen geben: Silbermedaille. Sepp Bächli, M60, gelingt im Diskuswerfen ein Wurf über 40 m, den er leider nicht mehr steigern kann: 11. Rang. Romeo Huwiler, M65, sichert sich auf 300m Hürden mit einem kontrollierten Lauf den Einzug ins Finale.
Einen weiteren Höhepunkt in ihrer Masters-Karriere schafft Christine Müller, W45, indem sie an ihrem Geburtstag über 400m Hürden ihren eigenen EUROPAREKORD auf 64,60 verbessert! Dank miserabler Hürdentechnik verbringt Pino Pilotto, M50, mehr als 10 Sekunden länger auf der gleichen Distanz.
In der Wurfarena gelingt es Heidi Graber, W60, mit einem guten Kugelstoss in den Final zu ziehen und dort den 7. Schlussrang zu belegen. Knapp unter der 30m-Linie landet für Pino Pilotto, M50, der Diskus, was ihn nicht über den 14. Rang hinausbringt. Christiane Chillier, W55, ärgert sich, dass ihre Kugel um 2 cm unter der 7m-Linie landet: Rang 20.
Das 1500m-Halbfinale übersteht Walter Eichelberger, M65, sicher. Gian-Andrea Altmann, M35, ärgert sich auch, nicht 40 m mit dem Diskus geworfen zu haben, freut sich jedoch über seinen 6. Schlussrang. Daniela Lachat, W35, muss sich mit dem undankbaren 4. Rang im Kugelstossen zufrieden geben.

Medaillenfazit 3. Tag : 1 x Silber


4. Tag, Sonntag, 23. Juli 2006: Pech
Pino Pilotto, M50, muss die Götter des Olymps (Olimpia ist der Name des Stadions) erzürnt haben: Er hat heute seinen schwarzen Tag. Sowohl im Weitsprung als auch im Kugelstossen muss er wegen schwacher Leistungen jeweils den Platz einnehmen, den sonst niemand will. Er hofft, somit seine Ration an Pech eingezogen zu haben und wünscht sich für die weiteren Starts ein wenig mehr Glück.
Auch Margaritha Dähler, W55, scheint heute vom Pech verfolgt: 4. Rang im Hochsprung!
Das gleiche gilt auch für Sepp Bächli, M60, dem es einfach nicht gelingt, richtig in den Wettkampf zu steigen: 19. Schlussrang und im gleichen Wettkampf hat sich auch Bruno Nyffenegger, M60, ein Mehr an Weite erhofft: für ihn resultiert der 14. Rang. Pech klebt weiterhin an den Schuhen von Margaritha Dähler, W55, die zwar mit dem ersten Wurf im Hammerwerfen den Einzug ins Finale schafft, dort aber die erhoffte Leistung einfach nicht abrufen kann. Auch Gian-Andrea Altmann, M35, bleibt im Kugelstossen unter seinen eigenen Erwartungen und muss sich mit dem 10. Rang zufrieden geben.
Trotz einer fulminanten Aufholjagd auf den letzten Metern bleibt Romeo Huwiler, M65, im 300m-Hürdenlauf auf dem 4. Platz sitzen: Wäre doch die Strecke noch einen oder zwei Meter länger gewesen!
Einen regelrechten „Stromabfall“ kann Daniela Lachat, W35, im Hammerwerfen beklagen. Mit einem sehr guten Wurf hatte sie sich gleich zu Beginn einen vorderen Platz gesichert, konnte aber im Finale nicht mehr steigern – im Gegenteil: Technische Mängel und Unsicherheiten liessen die Leistungen sinken. Immerhin blieb die Broncemedaille.
In letzter Zeit war jeweils der letzte Wurf bei Cornelia Hodel, W40, der entscheidende – für sie! Diesmal enschied das Schicksal (oder eben die gute französische Werferin) gegen sie und sie musste sich im Hammerwerfen mit der Silbermedaille zufrieden geben.
Nun hatten als die Schweizer Hammerwerferinnen eine Broncemedaille, eine Silbermedaille und es fehlte zum ganzen Satz eine goldene: Na ja – Mägy Duss, W45, machte wie im Gewichtswurf im ersten Wurf alles klar: Goldmedaille!
Am Ende des Tages hatte sich also der Wind gedreht! Tapani Taavitsainen, M60, im Weitsprung und Christine Müller, W45, im 400m-Hürdenlauf gewannen überlegen und liessen den Tag in einem grandiosen Finale versöhnlich ausklingen (Na ja: eine Spur von Pech war schon noch da: der anvisierte Weltrekord wollte sich trotz hervorragenden Anstrengungen von Christine einfach nicht einstellen. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben!).

Medaillenfazit 4. Tag : 3 x Gold; 1 x Silber; 1 x Bronce


5. Tag, Montag, 24. Juli 2006: Es „geht“ weiter

Obwohl Pino Pilotto, M50, mit dem 21. Rang wegen grösserer Teilnehmerzahl halt weiter hintern klassiert war als bisher, bereitete ihm seine neuen PB über 400 m nach dem Pechtag viel Freude. Auf der Bahnrunde gelang Stephan Zulauf, W45, mit zwei soliden Läufen im Vorlauf und im Halbfinal, seine Medaillenambitionen für den Final zu untermauern. Überglücklich war Edi Hänggi, M70, mit seiner Zeit über die 400m: endlich unter 70 Sekunden und Einzug ins Finale mit der 6. besten Zeit!
Dagegen blieb bei Margaritha Dähler, W55, das Pech immer noch kleben: wieder ein 4. Rang, diesmal im Weitsprung. Christiane Chillier, W55, erreichte im Speerwerfen den 10. Rang.
Ein guter 1500m-Lauf bescherte Walter Eichelberger, M65, den 6. Rang. Derweil Thomas Manser, M35, im gleichen Lauf den 15. Rang erreichte.
Heidi Graber, W60, wird für ihren hervorragenden Speerwurf von über 30 Metern mit der Silbermedaille belohnt!
Sie läuft nicht nur schnell über die lange Hürdenstrecke, sondern sie kann auch noch „lange“ Springen. Christine Müller, W45, holt Silber im Weitsprung!
Ebenfalls Silber holen im 500m Gehen Thierry Giroud, M35, und Bernard Binggeli, M60. Auf der gleichen Strecke erreicht Daniel Brot, M50, den 13. Rang und Walter Brandenburg, M55, den 12. Rang.
Gekrönt wird jedoch der Tag aus Schweizer Sicht von Heidi Mäder, W60, die im 5000m Gehen die Goldmedaille heimholt.

Medaillenfazit 5. Tag : 1 x Gold; 4 x Silber

Medaillenstand „Halbzeit“: 7 x Gold; 6 Silber; 3 Bronce